Was es wirklich bedeuted, CFO in einem Startup zu sein

Wien, 29.06.2021 

Ein Startup benötigt Teammitglieder mit breit gefächerten Kompetenzen, um schlussendlich auch erfolgreich zu sein: Produktentwicklung – Klar, das Produkt oder Service muss entwickelt werden. Materialbeschaffung, Networking, Verkauf, Marketing, all das bekommt eine gewisse Eigendynamik. Sobald die Firma aber als solche die einhergehenden Rechte nutzt, kommen Pflichten hinzu. Pflichten, die oft mehr Erfahrung benötigen – nichts, wo man sich innerhalb einiger Tage einlesen kann: das Finanzwesen. Elisabeth Sienčnik, CFO und Gesellschafterin bei reha buddy, hat in ihrer Leidenschaft für Zahlen eine Berufung gefunden und gibt nun einen Einblick in ihre bunte Welt als Mentorin, Business Angel und CFO im Startup-Ecosystem. 

1. Stell dich doch bitte kurz vor – denn CFO bei reha buddy zu sein ist ja bekanntlich nicht dein einziges Steckenpferd!

Das stimmt! Mein Name ist Elisabeth Sienčnik, und neben meiner Tätigkeit in Startups bin ich Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Finanzen und Projektmanagement, sowie lösungsfokussierter Coach.

2. Bei reha buddy bist du als Gesellschafterin und CFO tätig – wie kam es dazu?

Ich habe reha buddy vor 2 Jahren kennengelernt und war so überzeugt vom Produkt einerseits und vom Team andererseits, dass ich mir gedacht habe, ich würde da gerne mitmachen und mich auch beteiligen. 2020 wurde ich dann Gesellschafterin und CFO. Mir macht der Finanzbereich sehr viel Spaß, und es war auch relativ klar, dass ich so im Team eine gute Ergänzung sein kann.

3. Zahlenaffinität ist also eine Grundvoraussetzung – aber was genau sind deine Aufgabenbereiche als CFO uns was gefällt dir an deiner Tätigkeit?

Ich bin ein Zahlenmensch, bereits in der Schule war Mathematik immer mein Lieblingsfach. Zahlen modellieren, das macht mir Spaß. Außerdem kann man als CFO in einem kleinen Unternehmen in allen Bereichen mitwirken. Schlussendlich findet sich jede Transaktion in Zahlen wieder.  Für mich heißt CFO sein weniger Rechnungswesen, vielmehr eine Art Finance Business Partner zu sein; selbst bei Sales oder Entwicklung bin ich irgendwie mit drin, weil ich verstehen will was gebraucht wird und so optimal unterstützen kann. Die Aufgaben sind sehr vielfältig: Von Liquiditätsmanagement, über Schnittstelle zu Steuerberater, Banken und Fördergeber, zu Planung und Berichtswesen, Kennzahlen und vieles mehr. Und als Teil des Management Teams beschäftige ich mich mit Strategie, Risikomanagement, oder Organisationsentwicklung.

4. Gibt es auch Nachteile oder negative Punkte, die dir bisher aufgefallen sind?

Manche Menschen unterschätzen den Finanzbereich. Da gilt man auch gleich einmal als Erbsenzählerin. Und wie bei vielen internen Funktionen oder unterstützenden Prozessen bemerkt niemand den Finanzbereich, wenn alles gut funktioniert. Erst wenn Prozesse nicht funktionieren, die Liquidität nicht gegeben ist oder ähnliches, bekommt man (negative) Aufmerksamkeit. Man hat also überspitzt gesagt selten Lob, aber öfter Tadel. Damit muss man klarkommen und das muss man zu einem gewissen Grad auch mögen, also, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Ich sage daher immer: einen guten CFO bemerkt man nicht – denn wenn man ihn oder sie bemerkt, ist meistens etwas schiefgelaufen.

5. Wie hat deine Reise als Investorin begonnen?

Ich habe BWL an der WU Wien und ESSCA Angers studiert. Als ich dann von Aktiengesellschaften und Hauptversammlungen gehört habe, war es mir wichtig, auch mal an so etwas teilzunehmen. Daraufhin habe ich mir von meiner Mutter eine Aktie von Verbund gewünscht. Später habe ich bei Konzernen gearbeitet, Mitarbeiteraktien bekommen und begonnen auch in andere Wertpapiere zu investieren. Vor einigen Jahren habe ich oikocredit kennengelernt, wo man mit Microfinancing ganz kleine Unternehmen unterstützen kann, quasi als  Hilfe zur Selbsthilfe. 2017 habe ich als Beraterin ein  Startup bei Finanzthemen beratend  unterstützt – davon war ich schlussendlich so überzeugt, dass ich in mein erstes Startup investiert habe. Dieses Gefühl, ganz nah dran zu sein, finde ich einfach schön.

6. In welchen Startups bist du aktuell involviert?

Neben reha buddy bin ich noch in einem Weiteren als CFO aktiv: SteadySteps. Dort geht es um Nachhaltigkeit, wir entwickeln eine App die Motivation und Information für ein nachhaltigeres Leben gibt. Schritt für Schritt sollen neue Routinen entstehen und das Umfeld inspiriert werden, mitzumachen. Ansonsten bin ich als Mentorin und Expertin beim Greenstart Programm, bei RedPreneur und der Future Wings Challenge dabei.  Wichtig bei all meinen Engagements ist für mich der Impact; sei es Life Science, GreenTech, Soziales, Bildung… Ich hab hier das Gefühl, andere dabei zu unterstützen, die Welt ein kleines Stück besser zu machen, und darum geht’s mir im Wesentlichen.

7. Wir haben das Thema zwar schon angeschnitten, aber erzähl doch trotzdem noch kurz, wie du zu reha buddy gekommen bist!

Ich bin Mentorin bei INiTS und dort gibt es eine Art Speeddating, wo sich alle Mentoren & Startups kennenlernen. Da saßen Andrés Tkachenko und Harald Jagoš mir gegenüber – und es war von Anfang an viel Sympathie da. Das Produkt hat heute zwar nur mehr im Ansatz etwas mit der damaligen Umsetzung zu tun, aber ich war positiv angetan von der Idee Menschen dabei zu unterstützen, so lange wie möglich selbstständig und mobil zu bleiben. Nachdem das Mentoring im Rahmen des Programms vorbei war, wurde ich Advisor, und schlussendlich bin ich als Gesellschafterin und CFO mit an Board gegangen. 

8. Was sind für dich Kriterien wenn du mit Startups zusammenarbeitest?

Es hat bei allen Startups eine gewissen Grundvoraussetzung gegeben, basierend auf der Idee, Sympathie, und den Kompetenzen des Teams. Ganz wichtig für mich ist wie schon erwähnt, auch der positive Impact. Im Gegenzug muss ich natürlich auch wissen ob ich überhaupt mittel- bis langfristig unterstützen kann. Wenn ich merke, ich habe nicht die nötigen Ressourcen oder Kompetenzen, dann kommuniziere ich das klar und verweise bei Bedarf auf Kolleg*innen.

9. Was erwartest du dir von Gründer*innen, mit denen du zusammenarbeitest?

Zum einen Klarheit, zum anderen Ehrlichkeit. Man muss die Erwartungen an beide Seiten ganz klar abstecken, ehrlich sein, auch sehr ehrliches Feedback geben, egal ob positiv oder negativ. Natürlich erwarte ich mir auch professionelles Auftreten – dass jeder und jede Einzelne das Vorhaben ernst nimmt und voll dabei ist und die individuellen Stärken gut einzusetzen weiß. 

10. Gib uns doch abschließend noch einen kurzen Ausblick: Wo wird es dich hinziehen? Was hast du vor?

Ich habe in meinem Leben an vielen Orten gelebt: Slowenien, England, Frankreich, Rumänien, und abgesehen davon war ich auch privat und beruflich viel unterwegs. Ich habe es immer geliebt, in Cafés, Hotellobbys oder Co-working Offices zu arbeiten und im letzten Jahr ist mir das irrsinnig abgegangen. So sehr ich es auch mag, im Team, also physisch, zusammenzuarbeiten – ich brauche zwischendurch auch Tage, in denen ich einfach alleine meine Arbeit mache und zwar an unterschiedlichen inspirierenden Orten. Neben dem Finanzbereich ist mir auch das Thema Community-Building sehr wichtig. Ich vernetze jetzt auch schon gerne unterschiedlichste Startups miteinander und mit Personen aus einem ganz anderen Umfeld. Das macht mir viel Freude und ich merke, dass hier ganz viel passiert. Es entsteht anstelle von Konkurrenzdenken eine Art Kollaboration die eine gute Eigendynamik entwickelt. Ich glaube, man kann hier noch viel daraus machen, um auch bei großen Unternehmen und Institutionen mehr Impact zu erreichen.

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